Liebesszenen
aus Shakespeares Sommernachtstraum
Erster Autritt der Theater-AG bei den Mannheimer Schultheaterwochen.
Mannheimer Morgen:
Tohuwabohu auf der Bühne
Klasse: Shakespeare-Adaption der Max-Hachenburg-Schule
Mein Gott, was für ein Durcheinander
hat der Kobold Puck mit seinem Liebessaft da angerichtet: Die traurige Helena,
eben noch von den beiden Beaus Demetrius und Lysander verschmäht, kann sich plötzlich
deren Liebeswerben kaum erwehren. Beide wollen ihr jetzt an die Wäsche, grabschen,
schmachten und seufzen im hormonellen Überschwang.
Währenddessen hat keiner mehr
Augen für die schöne Hermia, die, eigentlich Lysanders Flamme, nun voller Verzweiflung versucht,
ihren Liebsten am Hosenbein vom neuen Objekt seiner Begierde wegzuzerren.
Und so rumpeln und purzeln die Vier in einem turbulenten Ringkampf über die Bühne.
Das Publikum kann kaum an sich halten vor Gelächter.
Ein wirklich tolles Tohuwabohu entfesselte die Theater-AG der Mannheimer Max-Hachenburg-Schule
bei ihrer mitreißenden Aufführung im Studio Werkhaus ...
Stück. " Liebesszenen" hatten sie ihr Werk betitelt, frei nach Shakespeares
"Sommernachtstraum".
Die Produktion (Regie: Karl Figge, der als Spielleiter selbst in einer kleinen Rolle
als Hermias Vater mitspielte) überzeugte aber nicht nur durch den furiosen Körpereinsatz
der Akteure, sondern auch durch die gelungene Aneignung des Komödien-Klassikers.
Auf welche Weise Isabella Brunner (Helena), Selma Demiroglu (Hermia), Massimo Cerreto (Lysander)
und Nino Re (Demetrius) die im antiken Griechenland angesiedelten Shakespeare-Charaktere mit
großer Authentizität wie - Jugendliche von heute verkörperten, das war eine
bravouröse Leistung;
allein schon angesichts der altertümlichen Sprache.Hermias Schwärmerei für
Lysander, Helenas anfänglicher Liebesfrust, das Macho-Getue der beiden genarrten jungen Männer
- all das brachten die Darsteller mit erfrischender Natürlichkeit und mit viel Liebe fürs Detail auf die
Bühne.
Vor allem die kleinen Gesten - etwa Lysanders augenzwinkernd lüsternes
Herunterreißen seines Halstuchs, als er sich an Hermia heranmachen möchte - bewiesen ein
intensives Rollensstudium.
Ein besonderes Vergnügen war Frank Heges Darstellung des Puck, den er nicht als
listigen Unruhestifter verkörperte" sondern eher als tumben Schussel, ein bisschen
wie die Fastnachtsfigur "Tramp vun de Palz"
Dass es sich bei der Max-Hachenburg-Schule um eine Berufsschule handelt,
deren Schüler nur unter größten Anstrengungen eine Theater-AG auf die Beine stellen können,
macht ihre Leistung noch eindrucksvoller: Es war ein Glanzpunkt des Festivals.
Quelle: Mannheimer Morgen (gekürzt)